Endlich steht mal eine Abwechslung von Villa Rica bevor. Das heutige Ziel heißt Isco eine nur 70 km entfernte Stadt. Dort hat DESCO eine Außenstelle und betreibt ein Projekt dessen Thema Kakao ist. Grundsätzlich lässt es sich mit dem Kaffeeprojekt vergleichen. Auch hier ist das Ziel den Fincabesitzern zu zeigen welche Sekundärpflanzen sich gut mit Kakao vertragen. Wie sich der Ertrag steigern lässt. Und wie Krankheiten auf eine organische Art und Weise bekämpft werden können.
Soweit zur Theorie. Für die Hinfahrt brauchten wir, Don Lois(Mitarbeiter bei DESCO), Manual a.k.a Michael Schumacher(den Namen bekam er von Betina und mir , aber nicht wegen seinem Fahrstil), Betina und ich, sechs lange, sehr lange Stunden. Zunächst war die Straße noch sehr gut. Bis wir den Punkt erreichten wo das Straßenprojekt noch nicht angekommen war. Ab dort gab es nur noch Schlaglöcher, "Seen" oder Pflanzen die die Straße blockierten. Kein Feldweg in Deutschland kommt da ran.
Irgendwann erreichten wir dann aber doch noch unser Ziel und konnten endlich ausgiebig essen. Für mich gab es das gesündeste Essen was man sich vorstellen kann. Frittiertes Huhn mit Pommes. Natürlich fehlte Mayo und Ketchup auch nicht.
An den übrigen Tagen lernte ich die Grundzüge des Kakaoprojektes und die Mitarbeiter kennen. Sogleich wurden auch neue Freundschaften geschlossen. Samstagabend wurden wir alle dann noch von einem Hurrikane überrascht. Der dafür sorgte, dass das Licht ausfiel und das Wasser von der Decke tropfte. Am nächsten Tag stellten wir außerdem fest, dass viele Bäume in der Nacht entwurzelt wurden und die Straße blockierten. Nicht nur die Bäume versperrten unseren Weg, auch eine Boa hatte sich die Straße zum Sonnen ausgesucht. Selbst dieses Hindernis ließ sich überwinden und so kamen wir unbeschadet wieder in Villa Rica an.
| der Wegelagerer |
In den folgenden zwei Wochen begleitete ich meine Kollegen aufs Campo und dokumentierte durch Fotos den Fortschritt der einzelnen Projekte. Die Tage im Büro verbrachte ich damit die Fotos zu sortieren und die besten herauszusuchen. DESCO benötigt sie um den Geldgebern der Projekte zu zeigen welches Stadium die Aufträge erreicht haben. Außerdem das gesehen wird, dass das Geld nicht an falscher Stelle landet.
Ein Ausflug hat mich dann doch noch sehr umgehauen. Ich begleitete Jordán ins Campo um "Bäume" zu charakterisieren. Erst fuhren wir mit dem Motorrad eine Stunde lang sehr holprige Wege. Als es nicht mehr weiterging hieß es dann zu Fuß weiter.
Jedoch opferten wir zunächst den Waldgöttern eine kleine Gabe, damit wir unbeschadet den Wald betreten dürfen. Das Opfer waren Kekse - ich hätte sie lieber selber gegessen, aber Brauch ist Brauch.
Die nächste Dreiviertelstunde folgte ich einen steilen "Pfad", der meistens nur zu erahnen war, einem Dschungel bewachsendem Berg hoch. Oft hieß es auch ein gutes Stück zu klettern.
| der Anfang des "Pfades" |
| der Pfad |
Oben angekommen zeigte mir Jordàn freudenstrahlend unser Ziel. EIN BAUM!!! Ok, er war ca. 900 Jahre alt, beeindruckend groß und trägt den Namen "Diablo Fuerte", aber trotzdem hielt ich meinen Begleiter erst mal für verrückt dass er sich sowas freiwillig antut.
Wir waren verschwitzt, zerstochen und außer Atem. Innerlich fragte ich mich, soll ich dafür wirklich den Göttern danken? Unter unbeschadet verstehe ich was anderes=).
| Der Baum "Diablo Fuerte" |
Doch erklärte mir dann mein Kollege warum wir den Aufstieg unternommen hatte. Vor drei Monaten ist er an DESCO herangetreten. Mit dem Vorschlag im Zuge seines Studiums eine Artenzählung von ausgewählten Bäumen durchzuführen. Diese zu charakterisieren, lokalisieren und deren Beschaffenheit zu dokumentieren.
Für DESCO eröffnet sich dadurch die Möglichkeit zu sehen welche Baumarten in dieser Region noch in welchem Umfang vorhanden sind. Außerdem zeigt dies auch das bestimmte Arten durch Nutzbäume vertreiben werden. Ein gutes Beispiel dafür ist der Eukalyptusbaum. Vor Jahren eingeführt, hat er sich bis heute ungebremst verbreitet. Er wächst oft schneller als andere Arten und bietet dadurch mehr Holz. Also größeren und schnelleren Profit. Doch hat jede Medaille auch eine Kehrseite.
Diese enorme Ausbreitung hat er seinen Wurzeln zu verdanken. Sie reichen tiefer als die Wurzeln anderer Bäume ins Erdreich und entziehen sämtliche Nährstoffe. Der Eukalyptus führt also zu einer Entwässerung und Nährstoffraubes des Bodens. Im Vergleich: Heimische Bäume wie der Nogal oder der Congona sind Flachwurzler. Ihre Wurzeln wachsen nur in den oberen Erdschichten. Somit entziehen sie dem Boden nur langsam Nährstoffe und geben ihm Zeit sich zu regenerieren.
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| Congona |

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