Mittwoch, 17. November 2010

Gemüse, immer nur Gemüse...

Die letzten Wochen waren sehr spannend. Ich hatte die Chance meinen Kollegen Eddie Conteras Porras :) über einen längeren Zeitraum zu begleiten. Somit konnte ich die einzelnen Fortschritte eines Projektes genau mit verfolgen. Und nicht wie bisher mal in dem einen, dann wieder in dem anderen  Projekt zu arbeiten.

Das Projekt beschäftigt sich mit Gemüsegärten. Wie sie anzulegen sind, welche Pflanzen sich anbieten, welche Pflanze was genau benötigt etc. Außerdem die Pflege und die Kultivierung einzelner Samen für die nächste Aussaat. 

Vor meiner Zeit hielt Eddie Kurse zu den einzelnen Bestandteile des Gemüsegarten und klärte die Fincabesitzer auf welche Vorteile sie durch den Besitz erlangen.
Anschließend stellte er das Material für den Bau der einzelnen Gärten bereit und half, wenn Hilfe benötigt wurde. Danach verteilte er die Pflanzen für die erste Aussaat.

Jetzt kam ich ins Spiel. Zusammen fuhren wir die einzelnen Projektteilnehmer ab. Kontrollierten den Fortschritt, gaben Tipps bei der organischen Bekämpfung von Schädlingen oder Infektionen. Und teilten die Mais-, Bohnensamen und Yuccawurzeln für die nächste Aussaat aus. Nach drei Wochen hatten wir die erste Runde beendet und begannen von vorne. Erstaunlich wie schnell in der Zeit die einzelnen Gemüsearten gewachsen waren.

voher

nachher


Den Eingang zum Garten fand ich einfach nur genial.


Jetzt zum Hintergrund des Projektes. Oft schon habe ich selber gesehen wie die einzelnen Fincas keinen Garten besaßen. Vereinzelt waren Kartoffelpflanzen oder Früchte der Bäume zu sehen. Alles was gebraucht wurde, kauften sie auf den teuren Märkten. Obwohl sie selber fruchtbaren Boden besaßen.
Durch den Gemüsegarten haben sie die Chance die gesamte Familie zu versorgen UND sogar einen Teil auf dem Markt zu verkaufen. Sie sparen somit nicht nur Geld, sondern verdienen es auch noch.

Wo ich schon das Thema des Essens anspreche (mein Lieblingsthema :) )... Ich beobachte leider oft wie Schokolade oder Kekse anstatt leckeren Früchten gegessen werden. Cola oder andere zuckerhaltige künstliche Getränkte getrunken werden, anstatt leckere Säfte oder Wasser. Dementsprechend sieht auch ein Großteil der Bevölkerung aus. Wenn ich Kollegen oder andere Peruaner darauf anspreche ernte ich meistens ein Lachen oder einen ungläubigen Blick.
Früchte außer Bananen essen?? 

Naja ok nicht alle sind so, es gibt auch die die frische Früchte essen und leckere Säfte trinken. Zum Glück, bei der Auswahl...

Ein weiteres Ereignis war ein Kurs in Villa Rica zum Thema... Kaffee, wen wundert es?!
DESCO war ein Mitorganisator und hatte einen externen Spezialisten eingeladen. Durch sein Redegeschick und Wortgewandtheit hatte er durchgehend die gesamte Aufmerksamkeit der Anwesenden. Was nicht als normal anzusehen ist.

Zunächst malte er die düstere Situation der Kaffeeindustrie aus. Wie schlecht es allen geht, wie viele Probleme vorhanden sind und wer die Schuld an der jetzigen Situation trägt.
Doch kam er sehr schnell auf die Vorteile von Peru zu sprechen. Welche besonderen Gegebenheiten das Land besitzt. Und was Peru von anderen Kaffee produzierenden Länder abgrenzt. (Ob die Daten in dem Maße stimmen wie er sie präsentiert hat, weiß ich nicht. Jedoch sind sie, wenn sie wahr sind, sehr interessant.)
Z.B. liegt Peru zurzeit auf Platz sechs der weltweit kaffeeproduzierenden Ländern mit 2-4 Millionen Sack Kaffee jährlich. (was definitiv wahr ist)
Peru ist das Land mit den meisten unterschiedlichen Kaffeearten(mehr als 9 Kaffeetypen). Im Vergleich Brasilien, die Nummer Eins mit 40 Millionen Sack Kaffe, hat nur einen Kaffeetyp. Laut dem Referenten eine Qualität die sich nur für den Müll eignet. Ob das so stimmt ist fraglich.
Peru produziert zudem auf sämtlichen Höhelagen. Zu beachten ist hierbei, je höher, desto besser die Qualität. Ab 1400 Meter gilt die Qualitätsstufe "Exzellent". Villa Rica befindet sich auf >1400 Meter Höhe, also kann ich die beste Qualität genießen. =)
Nur wenige andere Länder produzieren auf dieser Höhe, da eine maschinelle Bewirtschaftung unmöglich ist. Hier ist Handarbeit gefragt.
Brasilien z.B. produziert nur bis zu einer maximalen Höhe von 500 Meter. Dafür sind die Felder dort "etwas" größer. Hier sind die meisten Fincas <50 ha, in Brasilien gibt es Fincas mit >1500 ha. Kleiner Unterschied, wo vielleicht die unterschiedliche Anzahl der Kaffeesäcke herhält. 

Gespannte Zuhörer, fast wie im Hörsaal=).

 
Am Sonntag ging es dann raus aufs Campo. Dort präsentierten wir einer Comunidad ein neues Projekt. Das vielleicht nächstes Jahr anlaufen wird. Außerdem stellen wir einer weiteren Comunidad DESCO vor und haben ihr unsere Zusammenarbeit angeboten.

Eine Süßwasserkrabbe die in einem Tümpel mitten auf der Straße lauerte




4 Kommentare:

  1. Immer wieder ein Highlight im Monat: deine Posts! Schade, dass die Früchte so wenig geehrt werden und durch Schokolade und Kekse ersetzt werden.
    Na hoffen wir, dass zumindest bei den Kaffeevoträgen mehr zugehört wird, als bei den über das Frauenrecht ;)
    Freu mich auf nächsten Monat!

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  2. Also ich schreibe ZWEI Berichte pro Monat!!! Stelle hier nicht meinen Eifer in Frage ;):D
    Das würde mich doch sehr betrüben.
    Es freut mich aber zu hören, dass dir die Berichte gefallen und SOGAR ein Highlight in jeden Monar für dich darstellen.

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  3. Also im September hast du nur EINEN Bericht hochgeladen :D und das war grade mal der zweite Monat in dem du in Peru warst ;) Aber natürlich sind sie ein Highlight :)
    Ich freue mich, das live zu sehen!

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  4. Er hatte ja auch den ganzen September die Freuden der Wanderung verarbeiten müssen, von der allerdings nichts im Blog steht

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